Produktfotografie


Inhalt

1. Einleitung

2. Was allgemein zu beachten ist

2.1 Bildgröße

2.2 Farben

3. Was speziell zu beachten ist

3.1 Abbildungstreue/Transparenz

3.2 Produktgröße

3.3 Materialien

3.4 Schönheit

3.5 Bewegung

3.6 Algorithmen

4. Planung/Systematik/Taktik




1. Einleitung

So ein abschreckendes Produktbild hinzubekommen, war auch mit Absicht nicht einfach:


Nein, nicht die Vase ist das Produkt und nicht das Blümchen, sondern das Abspielgerät, vermutlich ein CD-, DVD, HDDVD-, Blueray-Player. Das Gerät ist rechts abgeschnitten und damit fehlen einige wichtige Bedienelemente. Die Perspektive breitet gerade die uninteressante Fläche (Oberseite) aus, während die Gerätefront benachteiligt wird. Das Produkt ist offenbar auf einem Bett aufgenommen und damit aus dem Verwendungszusammenhang gerissen. In der Nähe ist ein lichtbringendes Fenster oder die Bettdecke ist der hübscheste Hintergrund weit und breit oder man glaubt das Gerät weich-vorsichtig behandelt zu haben. Zusätzlich zur falsch gewählten Perspektive geht Tiefenwirkung dadurch verloren, dass das Muster der Bettdecke in die linke Gerätewand übergeht. Die Farbe für den Schriftzug "TOLLES GERÄT!!!" ist so passend gewählt, dass sie mit dem Hintergrund verschmilzt.

Das Gerät ist leicht in weichen Stoff vertieft und Luftschlitze an der Unterseite sind verdeckt. Auch Staub, an dem es im Foto nicht mangelt, kann die Elektronik in Mitleidenschaft ziehen (Stichwort elektrostatische Aufladung). Das Kabel ist möglicherweise geknickt. Flüssigkeit (in der Vase) hat auf Elektrogeräten nichts zu suchen.

Abgesehen von expliziten Vorsichtmaßnahmen tauchen im Foto einige negative Assoziationen auf. Das Laufwerk könnte in dieser Lage nicht aufgehen, es würde wenn nicht im Bett steckenbleiben, dann ganz sicher im Stromkabel. Es ist nicht erkennbar, ob das Gerät sich überhaupt von der Aufstellfläche abhebt und ob die Kopfhörerbuchse und die Funktionstasten bequem zu erreichen sind. Das Audio-Kabel berührt das Stromkabel, manch einem HiFi-Menschen wird bei so einem Anblick übel, kann doch auf diese Art und Weise beliebiges Gerät regelrecht gebraten werden. Man verursacht gerade bei denjenigen negative Assoziationen, die solche Geräte benutzen, also bei der Zielgruppe.

Das Audio-Kabel verlässt das Bild und kehrt zurück, ist es vielleicht zu kurz? Beim Stromkabel reicht das Blümchen aus, um seinen Verlauf zu stören. Man sollte unbedingt die Kabellänge in Worten dazuschreiben.

Was da ist, ist nicht gerade berauschend, aber es fehlt auch eine Menge. Bei höherwertigen Vertretern dieser Produktart ist die Geräterückseite mit den Anschlüssen fast genauso wichtig wie die Vorderseite. Natürlich fehlt die Fernbedienung! Auch ist falsch, dass mit dem mitfotografierten Audio-Kabel der qualitativ bessere optische Ausgang unterschlagen wurde. Eigentlich ist nur dieses Kabel der Grund, warum man das Gerät für kein Video-Abspielgerät hält. Es kann auch von Vorteil sein, die Leuchtanzeigen in Aktion, spricht beim eingeschalteten Gerät einzufangen, weil sie zu seiner visuellen Wirkung dazugehören.

So viel kann man bei einem Produkt mit einfacher Form und nur wenigen "leichten" Farben machen, bei dem das Wichtigste innen ist und gar nicht fotografiert werden muss.


Im Folgenden liegt der Schwerpunkt in "schwierigen" Bereichen der Produktfotografie, nämlich Produktbildern im Internet, insbesondere Bildern von Uhren- und Schmuck. Warum "schwierig"?

In der Werbefotografie müssen die Fotos perfekt sein. Man vergleiche nur die Bildauflösung, die im Internet ausreicht, mit der Bildauflösung, die in den Printmedien notwendig ist ... Sachbücher, Kataloge oder andere gedruckten Medien können hinsichtlich der Ausgabegröße absolut und hinsichtlich der gedruckten Farben gut kontrolliert werden. Alle Arbeitsschritte bis zum Endprodukt können den Fachmännern überlassen werden. Im Internet muss man relativ große Unsicherheit hinsichtlich des Endprodukts, also des letztlich angezeigten Bildes, hinnehmen, denn in der Verantwortung von Laien liegen mehrere Faktoren, die auch als Arbeitsschritte angesehen werden können.

Nun gibt es nicht gerade wenig Bilder im Internet. Aber nicht alle Bilder müssen gut sein und eine bestimmte Wirkung erzielen. Wenn ein stolzer Papa das Bild seines Kindes allen zeigen möchte, ist es verzeihlich, wenn das Gelb der Sonnenstrahlen nicht so gelb ist wie auf dem ursprünglichen Bild. Ein Web-Designer muss wissen, wie seine Website bei allermeisten PC-Benutzern aussieht, will er doch nicht für einen missglückten Internet-Auftritt seines Auftraggebers verantwortlich sein. Explizite Bilder-Anbieter müssen dem Interessenten den zutreffenden Eindruck davon vermitteln, was er später erhält. Auch Unternehmen wollen auf ihren Homepages gut auftreten, aber in der Produktfotografie ist die Anforderung hinsichtlich der Farbtreue doch ein Stück höher anzusiedeln. Autos, Elektronik, Kleidung, Möbel, Musikinstrumente, Pflanzen und Tiere, Reisen, Spielzeug ... Stationäre und tragbare Abspielgeräte aller Art verkaufen sich nicht ohne ein schmackhaftes Design, obwohl ihre eigentliche Aufgabe das Abspielen von Filmen oder Musik ist. Pflanzen und Tiere sind zum Teil im Hinblick auf die visuelle Wirkung gezüchtet worden. Bei Autos und Kleidung sind Farbnuancen wichtig, allerdings ist die Uhren- und Schmuckfotografie hinsichtlich der Schwierigkeit nicht zu übertreffen. Und das obwohl man sich zumeist im platzsparenden Bereich der Fotografie befindet, der Tischfotografie oder Tabletop-Fotografie. Man ist nicht darauf aus, zu übertreiben und zu verführen, sondern ist schon hochzufrieden, wenn man das Objekt in der Schönheit abbilden kann, die ihm gebührt, es also nicht allzu hässlich rüberzubringen. Zu den allgemeinen Schwierigkeiten der Produktfotografie gesellen sich weiterführende, vertiefende. In der Uhren- und Schmuckfotografie schlägt man sich mit Feinheiten herum, die in anderen Bereichen belächelt werden würden. Oftmals sind Schwierigkeiten in der Uhren- und Schmuckfotografie wie verstärkte Schwierigkeiten der Fotografie allgemein anzusehen. Wer sie gemeistert hat, kann leicht in andere Branchen expandieren.

"Schwierig" sind schleßlich die vielen kleinen E-Commerce-Unternehmen, die erst einmal irgendwelche Produktbilder brauchen und dabei gnadenlos der Kosteneffizienz und dem Konkurrenzdruck unterworfen sind.


Für einen durchschnittlichen PC-Benutzer hat ein Bild einfach das abgebildete Motiv wiederzugeben. Befasst man sich näher mit der Materie, verabschiedet man sich schnell von den Begrifflichkeiten wie „Perfektion“ und „Abbildungstreue“ und begnügt sich mit „Vernachlässigbarkeit“.

Zuerst seien einige lustige Beispiele vorausgeschickt, die zeigen, wie unterschiedlich man mit seinen Farben umgeht, wie die Präferenzen, die Gewohnheit oder gar Kultur sich auswirken.

- Gelegentlich wird die Helligkeit absichtlich falsch eingestellt, etwa von Personen, die meist mit Bürosoftware arbeiten. Die Bildschirmfläche ist meist weiß und scheint übermäßig zu strahlen, die Augen zu belasten, und die Helligkeit wird heruntergeregelt. Solche Systeme stellen alles zu dunkel dar.

- Gelegentlich erhöhen PC-Zocker die Helligkeit (oder den Gamma-Wert), um sich in der Dunkelheit besser orientieren zu können. Die Monster in den Horrorspielen überfallen einen weniger überraschend. In Online-Multiplayer-Action-Spielen ist die Übersicht von entscheidender Bedeutung, bei Nacht wie bei Tag, und man spart sich das Nachtsichtgerät. Solche Systeme stellen alles zu hell dar.

- Warum vertauscht man Schwarz und Weiß nicht, um Strom zu sparen?


- Recht kurios ist der Ratschlag, den Röhrenmonitor so auszurichten, dass das Magnetfeld der Erde den Elektronenstrahl möglichst wenig ablenkt. Klingt logisch, erinnert aber nach Feng Shui. Unsere Gesellschaft ist sehr technisiert, aber zum Glück ist es nicht so weit gekommen, dass man den Fernseherstandort von einem Physiker absegnet.

- Auf einen durchschnittlichen Menschen wirken professionelle „Bildbearbeiter“  belustigend, verwenden aufwändige, recht teure Lösungen mit Hardwarekomponenten, kalibrieren ihren Monitor monatlich, wenn nicht öfter, und arbeiten bei demselben und konstantem Licht. Wenn die Lampe kaputt geht, holt man sich natürlich eine identische. Man muss sie nicht erst kaufen, sondern eine oder mehrere liegen für den Notfall bereit. Am besten nur in der Dunkelheit arbeiten, dann kann man sich das mit den Lampen sparen. Das Betriebssystem ist in neutralem Grau zu halten, eventuell die Tapete hinter dem Monitor grau streichen. Dem Monitor werden tiefschwarze Blenden aufgesetzt, damit kein Lichtmüll darauf auftrifft. Druckt man aus oder muss Ausdrucke mit Bildern auf Monitoren vergleichen, muss Licht nach Industrienorm mit einer bestimmten Farbtemperatur (5000 Kelvin) und bestimmter Helligkeit (2000 Lux)  installiert werden.

Als Röhrenmonitore noch verbreitet waren, warteten Profis 30, am besten 60 Minuten nach dem Einschalten, bevor sie loslegten. Röhrenmonitore müssen 30-60 Minuten in Betrieb sein, um ihre eingestellte und gemeinte Helligkeit zu erreichen. Und Hersteller hochwertiger TFT-Monitore versichern ihrer Kundschaft: Garantiert erreicht der Monitor 2 Minuten nach dem Einschalten die wahre gemeinte Darstellung und hält sie standhaft bis zum Abschalten bei.

- Es ist physiologisch angeraten, auf den Bildschirm etwas von oben zu schauen. Die Blickrichtung muss senkrecht zum Bildschirm sein. Die Körperhaltung ist unverkrampft und das Auge befindet sich in Normalposition. Damit geht einher, dass die Bildschirmfläche geneigt ist und Staub ansetzt, der sich wiederum auf die Bildhelligkeit auswirkt.

- Bekanntlich ist Schwarz die Farbe der Trauer, in Indien weiß. Schwarzer Homepage-Hintergrund ist in unseren Breiten für ein Bestattungsinstitut oder eine Diskothek adäquat. Wie traurig wird ein Inder, wenn er ein Buch liest, das wie jedes andere großflächig weiß ist?

- Das weiche (gestreute) Licht benutzen Fotografen bei Frauenporträts, damit Falten, Hautunreinheiten usw. verwaschen werden. Zusätzlich weichzeichnen, und fertig ist das Model. Bei Männern hingegen ist Dynamik und Kraft gefragt, die mit hartem Licht und Kontrasten erreicht werden. Metallische Reflexionen sehen beim harten Licht männlicher aus als bei weichem Licht, so kann zum Beispiel eine Uhr je nach Foto mal besser geeignet für Männer, mal besser geeignet für Frauen aussehen.




2. Was allgemein zu beachten ist

2.1 Bildgröße

Eine 1:1-Wiedergabe kann man sowieso nicht verlangen, weil es natürlich Gegenstände gibt, die größer als Bildschirme sind. Angenommen, eine Person bastelt ein Modellauto und möchte es per Internet der ganzen Welt präsentieren. Die Person fotografiert das Modellauto und bearbeitet es in seinem Bildbearbeitungsprogramm so, dass es auf seinem Bildschirm und in seinem Internet-Browser genau die reale Größe hat. Die Person kennt sich gut mit Autos aus und nicht gut mit anderer Technik …

Wenn die Person einen 19“-Bildschirm hat, ist dasselbe Bild auf einem 17“-Bildschirm kleiner und auf einem 21“-Bildschirm größer. Über einen Projektor betrachtet erreicht das Modellauto eine bedrohliche Größe und kann leicht für ein echtes Fahrzeug gehalten werden.

„Na gut“, sagt der Modellautobastler: „Wenn es nicht bei allen gleich groß sein kann, so soll es wenigstens die ganze Bildfläche ausfüllen.“ Dann befasst er sich mit „Auflösung“ und muss feststellen, dass auch das scheitert.

Dasselbe Bild ist bei einer höheren Auflösung kleiner als bei einer niedrigeren, weil auf derselben Fläche mehr Punkte untergebracht sind. Erhöht man die Auflösung, wird ein bildschirmfüllendes Bild kleiner und in eine Ecke geschoben.

Darüber hinaus haben sich Seitenverhältnisse bei PC-Monitoren vermehrt (4:3, 5:4, 16:9, 16:10 …), sodass ein und dasselbe Bild niemals die ganze Bildfläche ausfüllen kann. Je nach Format muss ein Bildteil abgeschnitten werden oder es bestehen bildfreie Flächen. (Vom Strecken des Bildes wird man absehen, weil die Proportionen erhalten werden sollen.) Einem Quadrat am nächsten ist das Seitenverhältnis 5:4, wie diese Gegenüberstellung zeigt.


Die Breite eines Monitors errechnet sich wie folgt (d = Diagonale)

Bei 4:3-Seitenverhältnis: Breite = 0,8d

Bei 5:4-Seitenverhältnis: Breite = 0,781d (Näherungswert auf 3 Stellen nach dem Komma genau)

Bei 16:9-Seitenverhältnis: Breite = 0,872d (Näherungswert auf 3 Stellen nach dem Komma genau)

Bei 16:10-Seitenverhältnis: Breite = 0,848d (Näherungswert auf 3 Stellen nach dem Komma genau)

Auf dem folgenden Bild sind Monitore gleicher Bilddiagonale, aber unterschiedlicher Seitenverhältnisse abgebildet. Wie zu erwarten hat ein 5:4-Monitor die größte Fläche zu bieten und ein 16:9 Monitor die kleinste. Die weiße Fläche ist quadratisch.


Um zu verdeutlchen, wie wenig die zwei unterschiedlichsten Monitore gemein haben:


Und es kommt noch schlimmer. Zusätzlich zum darzustellenden Inhalt kann der Benutzer nach Wunsch und Laune zusätzliche Menüs und Leisten einblenden, sowohl horizontale als auch vertikale. Ihre Anzahl und zuweilen auch Größe kann stark variieren, was gleichbedeutend mit einer Fülle weiterer Seitenverhältnisse ist.

Zum Beispiel die Favoritenleiste des Internet Explorer von Microsoft. Blendet man sie bei einem Monitor mit 16:10 oder 16:9 Seitenverhältnis ein, so bleibt rechts praktisch ein 4:3-Monitor übrig. Hinsichtlich des Platzes für den Web-Inhalt kann sich somit ein 16:9-Monitor mit zusätzlicher Leiste (oder mit nicht maximiertem Browser-Fenster) genauso verhalten wie ein 4:3-Monitor ohne Leisten.

Berücksichtigt man nun unterschiedliche Bildschirmgrößen, Auflösungen, Formate und individueller Präferenzen, so ist es einfacher, die Größe in Worten unters Bild zu schreiben als sich mit allen Eventualitäten zu befassen. Die Bildgröße ungefähr so wählen, dass die Nachteile bei den allermeisten vernachlässigbar sind. Allen kann man es sowieso nicht recht machen.

Der Modellautobastler möchte sowieso die Verarbeitungsqualität und die Detailfülle hervorheben und fertigt zusätzliche Nahaufnahmen an. Mehrere Bilder sind ein guter Weg, die Schätzung der Motivgröße dem Betrachter zu überlassen, ja diese erst anzustoßen. Will man sich der Verantwortung ganz entledigen, stellt man ein großes Bild in hoher Auflösung zum Herunterladen bereit, das der Interessent so viel ihm beliebt vergrößern und verkleinern kann.

Eine gute Möglichkeit ist ein Flash-Zoom-Plugin, mit dem die Größe des Bildes variiert werden kann. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Bildqualität unter der Echtzeitbearbeitung nicht leidet.

Eine gute Möglichkeit sind Vergleichsobjekte, deren Maße jedem bekannt sind, die allerdings nicht immer zum Motiv passen.

Eine weitere gute Möglichkeit ist das Fotografieren in einem Maßstabsystem, das heißt das Positionieren eines Objektes neben Lineale oder in ein Koordinatensystem. Das ist nicht immer möglich und verleiht den Bildern eine beträchtliche Uniformität, ganz zu schweigen von den daraus entstehenden Zwängen beim Fotografieren.




2.2 Farben

Weitaus vielfältiger und subtiler sind als die Hinderniswelt der Größen ist die Hinderniswelt der Farben.

- Jeder Mensch sieht Farben anders, und zum Sehen gehört nicht nur ein Anzeigegerät, sondern auch das Gehirn.

- Das schwarze Loch ist am schwärzesten. Es reflektiert nicht nur kein Licht, sondern schluckt es sogar und ist hinsichtlich der Schwärze nicht zu übertreffen. Unsere Augen machen bei Lampenlicht aus gelblichem Weiß reines Weiß anhand der Erfahrung. Wenn man wissen will, wie gelb das Weiß unter Lampenlicht ist, fragt man seine Digitalkamera. Dort kann man ablesen, welche Berichtigung/Berechnung vorgenommen wird, um das betreffende gelbe Licht zu „neutralisieren“. Der Schwarzwert unterscheidet sich von Monitor zu Monitor und von Technologie zu Technologie. Absolut gesehen und untereinander verglichen liefern Monitore, sollen Sie das vollkommene Schwarz anzeigen, mehr oder weniger schwarze Flächen, nur das Gehirn setzt die Farbe in ein Verhältnis zu anderen und hält sie für vollkommen schwarz.

- Sowohl beim Betrachten am Bildschirm als auch beim Betrachten eines realen Gegenstands sind die "Lichtart" (Farbtemperatur) und ferner der Lichteinfallswinkel zu beachten.

- manche Farben werden bei einem Licht als identisch, bei einem anderen Licht als unterschiedlich wahrgenommen (Metamerismus).

- manche Farben sehen je nach Lichtart (Spektralzusammensetzung) unterschiedlich aus. Damit kann zum Beispiel bei unterschiedlich gearteten Lichtquellen, vor allem künstlichem (Lampen-) und natürlichem (Sonnen-) Licht der Fall sein. Bestimmte Materialien sind bei warmem Lampenlicht dunkelgrau und bei Tageslicht blau bis dunkelblau.

- Ein Bild darf man mit dem Aussehen eines Gegenstands eigentlich nicht vergleichen, da das die Augen erreichende Licht prinzipiell unterschiedlich zustande kommt. Ein Bildschirm leuchtet selbst und beim Gegenstand wird in der Regel einfallendes Licht reflektiert. Innerhalb der Anzeigegeräte gibt es große technisch oder physikalisch bedingte Unterschiede: Ein Röhrenmonitor leuchtet anders als ein TFT-Monitor. Ein Projektor wirft das Bild gar auf eine Leinwand, deren Artenvielfalt auch nicht zu unterschätzen ist. Und eine im besten Prospekt abgedruckte Uhr würde auch keiner ausschneiden und auf dem Arm tragen, weil sie einer echten Uhr täuschend ähnlich sieht …

- Widmet man sich der Bilderstellung, begreift man, dass es das Bild gar nicht gibt. Früher wurde mit Filmen fotografiert. Ihre chemische Zusammensetzung und Produktion geschahen fernab vom Fotografen. Professionelle Fotografen kannten die Unterschiede zwischen verschiedenen Filmen, bei dem sind die Farben etwas kräftiger, bei dem die Hauttöne natürlicher o. ä.. Heute berechnet die Software im digitalen Fotoapparat das Bild anhand von (von Herstellern gehüteten) Algorithmen. Die Algorithmen wissen schon, wie das Motiv ungefähr ist und wählen geeignete Bildparameter wie Kontrast und Helligkeit. Man kann das Bild aber auch im Rohformat (RAW-Format) abspeichern lassen, es auf den Computer laden und viele Parameter nachträglich selber einstellen. Damit geschieht per Software genau das, was auch im Fotoapparat während der Aufnahme hätte geschehen können. Man fotografiert das Motiv zu Ende, aber wahrer als das, was Auge und Hirn damals sahen, kann es mit den ganzen Reglern und Eingabefenstern auch nicht werden.

- Monitore sind (noch) außerstande, alle sichtbaren Farben darzustellen. Das heißt: Es gibt bestimmte Wellenlängen, einen Teil davon können Menschen sehen, wiederum einen Teil davon können Anzeigegeräte darstellen. (Kann ein Anzeigegerät eine Farbe nicht darstellen oder kann ein Drucker eine Farbe nicht drucken, wird auf nächstähnliche Farben zurückgegriffen.) Dieser Sachverhalt tritt insbesondere bei leuchtenden Farben zutage.

Den Modellautobastler hätte ein leuchtend rotes Modellauto in den Wahnsinn treiben können. Man hält es in der Hand, es ist da, es ist wirklich, aber es sieht auf dem Monitor erschreckend anders aus.

Monitore, ganz zu schweigen von Druckern, können viele (saftige) Grüntöne und damit viele Florafarben nicht darstellen. Das zeigt, dass die Natur noch nicht ganz ausgedient hat und man sich ruhig ab und zu draußen aufhalten kann.

Erschwerend bei den ganzen Gamut-Geschichten kommt hinzu, dass es auch von Bildschirm zu Bildschirm und von Drucker zu Drucker Unterschiede gibt. Sogar gleiche Modelle vom gleichen Hersteller unterscheiden sich hinsichtlich der Farbdarstellung.

Bei sehr teuren professionellen Bildschirmen für Künstler und/oder Grafiker wird schon eher Wert auf die Wiedergabe möglichst vieler Farben gelegt. Den meisten PC-Benutzer sind derlei Farbgeschichten gar nicht bekannt.

(Übrigens kann jeder in seinem eigenen Wohnzimmer Zeuge einer Gamut-Erweiterung werden, nämlich der von Fernsehnorm HDTV gegenüber PAL oder NTSC. Noch nie haben gesunde Ferkel im Fernseher so gut ausgesehen.)

- Sowohl bei der Bildverarbeitung als auch bei der Bildbetrachtung ist es von Vorteil, wenn der Monitor kalibriert und das richtige Farbprofil installiert ist. Eine einfache und kostenlose Kalibrierung wird anhand von Testbildern vollzogen. So kann man überprüfen, ob die Helligkeit und der Gamma-Wert richtig eingestellt sind, ob in den Farbverläufen Risse bestehen. Auf diese Art und Weise lässt sich das Gröbste aus der Welt schaffen. Eine sehr schnelle und wichtige Korrektur erreicht man mit dem Einstellen der Farbtemperatur des Monitors auf 6500 Kelvin. Andernfalls sind alle Bilder zu blau. Unverständlicherweise werden viele Monitore ab Werk auf höhere Werte eingestellt. Dies geschieht um mit kühlen blauen Bildern Brillanz vorzugaukeln und Zufriedenheit mit dem Monitor hervorzurufen und steht ganz im Dienste des Gewinnstrebens.

Das letzte Wort gibt es in diesem Bereich sowieso nicht, weil im Zuge des schnellen technischen Fortschritts die Ausstattungsmerkmale immer besser und günstiger werden. Eines Tages wird es nur perfekte Bildschirme geben, deren perfekter Betrieb keinerlei Vorkenntnisse, Kalibrierungen, Profile und Abstimmungen benötigt. Na ja, eher ist zu vermuten, dass es weiterhin Laien- und Profi-Geräte gibt, sei es nur weil die Hersteller für unterschiedliche Preislagen schlechte und gute Produkte brauchen. Eher kalibriert man alle Gehirne als verzichtet auf eine profitabel genug auseinandergezogene Produktpalette.




3. Was speziell zu beachten ist

3.1 Abbildungstreue/Transparenz

Das A und O der Produktfotografie ist die Abbildungstreue/Transparenz. Größe, Farben und Formen sollten - soweit die Rahmenbedingungen es zulassen, auf die oben und weiter unten eingegangen wird - Größe, Farben und Formen des fotografierten Objektes vermitteln. Die Perspektive/Ansicht sollte so gewählt sein, dass sie möglichst viele Informationen beinhalten. Man sollte keine Fragen offen lassen und keine Fragen verursachen. Der Kaufinteressent weiß nicht, wie gut der Verkäufer es meint und dass seine Ehrlichkeit nicht zu überbieten ist. Bei jeder Nichtoffenkundigkeit/Uneindeutigkeit kann der Kaufinteressent denken: "Er verheimlicht etwas." Ist ein Produkt nur seitlich abgebildet, denkt er, dass es von vorne schlecht aussieht, schlecht verarbeitet ist oder dass irgendwelche Funktionselemente fehlen, zum Beispiel Anschlüsse in der Unterhaltungselektronik. Zusätzliche Bilder ohne zusätzliche Informationen/Aussagen sind zu vermeiden, da sie denken lassen können, das Produkt wäre langweilig oder würde gleich aussehen, egal wie man es betrachtet.

Die Bilder sollten homogen sein, auf keinen Fall sollte ein Bild dem anderen widersprechen! Das hinterlässt nur Ratlosigkeit.

Der folgende ESPRIT-Ring wurde mit zwei Fotos dargestellt. Auf dem zweiten Foto wurde der Ring so positioniert und die Reflexionen so gestaltet, dass das Schwarz um das Kreuz herum seine Form unterstrich und die Tatsache, dass er aus fünf einzelnen Steinen besteht. Prompt traf die Frage eines Kaufinteressenten ein, welcher Ring denn zum Verkauf stünde, und von welcher Art der schwarze (Edel)Stein ist. Solche Fragen sind noch der beste Fall, weil man eine Rückmeldung erhält und entsprechende Maßnahmen ergreifen kann. Nicht den Kunden sperren, sondern das Bild entfernen! Man darf nicht sagen, dass die Bilder idiotensicher sein müssen, wel der Kunde König ist und Könige keine Idiote sein können (ist ernst gemeint).


Gleich mehrere Fehler vereint das folgende Bild. Aufgrund der gewählten Perspektive und des gewählten Bildausschnitts scheinen die Ohrstecker dem Etikett anzuhängen und nicht andersrum. Die runde Form der Ohrstecker ist nicht erkennbar. Sie könnten von vorne gesehen genauso oval sein. Die eigentlich perfekt im Zentrum platzierten Steine sind an den Rand gedrängt worden. Darüberhinaus sind zwei fast gleiche Ansichten vom identischen Objekt eingefangen worden. Es gibt zwar viel Platz in den Weiten des Internets, aber man kann ihn auch sinnvoller nutzen.


Dieser MEXX-Anhänger ist zwar dreiteilig, aber alle Teile bleiben beim Tragen (auf dem Hals) zusammen, sodass trotz Baumeln ein normales Kreuz gebildet wird. Auf dem Bild ist das Kreuz auseinandergefallen, und man muss umständlich erklären, dass das nur auf dem Bild so ist. Außerdem scheint jeder zweite Stein abgesenkt zu sein, weil er kein Licht reflektiert. Diese Anordnung ließ sich seltsamerweise nicht bestätigen und nicht reproduzieren, und der Eindruck muss auf eine ganz spezielle Beleuchtungskonstellation zurückgehen.


Ist die Form eines Objektes außergewöhnlich, sind oftmals zusätzliche Bilder notwendig. Bei den folgenden Ringen von PIERRE CARDIN, die durch außergewöhnliche Form und sogar Formveränderlichkeit und Bewegllichkeit gekennzeichnet sind, kann man sich nur mit mehreren Ansichten behelfen, sonst bleiben sie uninteressant und man darf sie selber tragen.


Die Symmetrie eines Objektes hilft dem Betrachter, es gedanklich zu vervollständigen, sich die Gesamtform dazuzudenken. Beim folgenden Ring, ebenfalls von PIERRE CARDIN, ist der Anhaltspunkt, den eine Symmetrie bietet, nicht gegeben. Wie der Ring gedreht werden musste, damit die zwei unterschiedlichen Bilder zustande kommen, ist ein Rätselraten.


Das Fotografieren auf einem Spiegel ist mehr Effekthascherei denn Hilfe. Zwar erzielt man einen Mehr-Inhalt-Effekt, aber aussagekräftiger wird das Bild nur in bestimmten wenigen Arrangements. Bei dieser Ringuhr (wird auf dem Finger getragen, der Ring ist das Armband) von Chayka weiß man nicht gleich, womit man es zu tun hat, und die Spiegelung wirkt dem nicht gerade entgegen.


Zwei Bilder in einem sind mehr Bildbearbeitung als Fotografie und nicht jedermanns Geschmack, könnten jedoch unter Umständen zweckmäßig sein.


Die eher ungewöhnliche Ansicht illustriert die Flachheit des Uhrengehäuses.


Der Käufer sollte nicht erst beim Auspacken der Uhr erfahren, dass die Bandanstöße der ELYSEE-Uhr ausladend sind (damit die Uhr gut auf der Hand liegt). Das Tüpfelchen auf dem i ist die Einsicht in die Innenseite des Uhrenarmbands. Die seitliche Ansicht der hochwertigen Uhr von JACQUES LEMANS zeigt nicht nur mehr von Gehäuse, sondern ist auch ein Leckerbissen, weil die Riffelungen der Lünette, der Krone und der Gehäuseseite zusammentreffen.


Bei der folgenden Uhr von Dugena wurde aus einer Spielerei heraus der kleine geriffelte Ring hervorgehoben, indem die restliche Uhr entsättigt wurde. Das hat mehr Verwirrung gestiftet als informiert. Solche Spielereien sollten Nachschlagewerken vorbehalten bleiben.


Zu beachten ist auch die Zielgruppe. Will man Kenner der Materie ansprechen oder neue, eventuell zufällig erreichte Personen begeistern? Dies kann Auswirkungen auf die Sachlichkeit oder die Darlegungsausführlichkeit haben.




3.2 Größe

Die meisten Uhren und Schmuckstücke sind so klein, dass man entweder lichtstarke oder Makro-Objektive benötigt, um sie zu fotografieren. Auch die Auflösung des Fotoapparats darf nicht niedrig sein, will man ins Detail gehen. Die Verwendung der Lupefunktion des Bildbearbeitungsprogramms kann die Auflösung ganz schön schnell aufbrauchen (Candino, Laurine, Casio).




Detailaufnahmen vermitteln nicht nur einen besseren Eindruck über die Beschaffenheit eines kleinen Objektes, sondern können auch lange Beschreibungen ersparen, wie bei dieser sehr gut ausgestatteten Herrenuhr von DUGENA:


Man löst mit Fernauslöser/Fernbedienung/Tastatur aus, weil geringste Verwackelungen die Bilder unbrauchbar machen. Die Schärfentiefe beläuft sich auf Millimeter, und man kann nicht jedes Objekt senkrecht zum Objektiv platzieren.

Diese MEXX-Armkette (auch Halskette) besteht aus vier unterschiedlichen Ketten. Zwar ist der Schärfeverlauf gut gelungen, aber man stößt mit der Vergrößerung bis zum Druckraster des Hintergrunds vor. Auch wurde übersehen, dass die vorderste Kette braun spiegelt, obwohl sie aus Silber besteht und demzufolge silberfarben sein müsste. In diesen Dimensionen fallen Makel oft erst nach starker Vergrößerung auf.


Ketten mit Anhängern sind ein Paradebeispiel für den Sinn einer Gesamt- und einer Detailansicht. Aus Entfernung imponiert beim folgenden FOSSIL-Anhänger der verführerische Glanz, fast Glühen. Vergößert sieht dasselbe Bild schlecht und nicht gerade fachmännisch fotografiert aus. Würde man zwei Bilder von demselben Produkt schießen, würde sich der Aufwand verdoppeln, wo man doch bemüht ist, den Aufwand möglichst gering zu halten.


Ein (echtes) Auto anspruchsvoll ins Bild zu setzen ist wahrlich nicht leicht. Möchte man die Reflexionen kontrollieren und bestimmen, was und wie das Auto reflekiert, so sind riesige Fotostudios mit leistungsfähiger Beleuchtung und überdimensionalen Reflektoren unabdingbar. Allerdings wird das Auto meistens verkleinert abgebildet und eventuell vorhandene Unperfektheiten sind verziehen. Je kleiner ein Objekt, desto mehr Schaden richten Staubpartikeln oder Härchen o. ä. auf dem Objekt an. Oft hat man es mit einfarbigen Flächen zu tun, auf denen Schmutzteilchen besonders auffällig sind.

Einen Ring oder zwei Ohrstecker stabil und gefällig zu positionieren kann leicht in eine nervige Fummelei ausarten. (Manche Fotografen befestigen Ringe mit Kaugummi ...) Nicht nur die Objekte sind klein, sondern auch das gesamte Fotostudio, und oft entscheiden Millemeter über eine schöne Reflexion, was entsprechend hohe Anforderungen an die Beleuchtung setzt.

Wertigen Produkten macht die Vergrößerung nichts aus, bei Billigprodukten weiß man oft nicht, ob man Schmutz oder Defekte retuschiert. Verarbeitungsmängel wie unsaubere geometrische Formen oder nicht exakt aufgesetzte Zeiger springen bei einem großen Bild eher ins Auge.

Aber auch bei teuren Produkten, wie den folgenden JOOP!-Ringen mit ursprünglichen unverbindlichen Preisempfehlungen von 199 Euro (schmalere Version) und 299 Euro (breitere Version), kann die Vergrößerung zu möglicherweise nicht erwünschten Effekten führen. Man sieht, dass ein großer Teil des Glanzes nicht von Steinen und ihrer großen Anzahl, sondern von den Silbernoppen um die Steine herum ausgeht. Das ist kein schmutziger Trick, sondern ein ganz normaler Juwelier-Trick (Einfassungsart), aber das große Bild lenkt die Aufmerksamkeit darauf und wirkt irreführend, weil der Ring nun mal wenige Zentimeter groß ist und aus normalem Betrachtungsabstand die Steine stark dominieren.


Beim folgenden Silber-Zirkonia-Kreuz harmonieren die Einfassungsrechtecke gut mit der Kreuzform, aber die sehr starke Vergrößerung offenbart eine Vielzahl an Ungeradheiten, Schiefheiten und Asymmetrien zumindest bei diesem Exemplar.


Die Größe, besser gesagt die Kleinheit stellt auch hohe Anforderungen an Vorlagen/Hintergründe, Hilfsobjekte und schmückendes Beiwerk dar. Auch sie werden vergrößert und offenbaren ärgerliche Unschönheiten, die im Nachhinein entweder akzeptiert oder wegretuschiert werden müssen. Als Paradebeispiel können Einschlüsse in (Halb)Edelsteinen dienen.

Hintergründe/Vorlagen usw. müssen aus unterschiedlichen Entfernungen gleichermaßen gut ihren Zweck erfüllen, wenn Objekte unterschiedlicher Größen oder aus unterschiedlichen Entfernungen aufgenommen werden.

Bei diesem gelungenen Hintergrund kommen mit der Vergrößerung immer kleinere gleichgeartete Muster zum Vorschein, wie die fünffache Vergrößerung rechts unten zeigt.


Bei dieser Vorlage  existieren zwar zwei unterschiedliche Muster auf zwei Größenebenen, aber sie ist so schrecklich dynamisch, dass sie Schmuckstücke physisch zu vernichten droht. Die vielen Konturen blähen außerdem die Bildgröße auf.


Dieser unruhige, fast matschige Hintergrund passt allerdings perfekt zur männlichen Panzerkette. Was zeigt, dass es auf den Einzellfall und das Dafürhalten des Fotografen ankommt.


Der JOOP!-Hintergrund ist durchaus ansprechend, aber wer weiß, ob nicht jemand die fünf Zeichen in dieser Reihenfolge patentiert oder urheberrechtlich geschützt hat. Die Welt ist schön und alle Kinder wollen essen, aber die von Rechtsanwälten scheinen besonders hungrig zu sein. Überhaupt ist es nicht nur eine Frage des Ehrgeizes, ob man seine eigene Vorlage entwickelt. Man sollte sichergehen und keine Copyright-Klage riskieren. Die billigste Lösung sind Steine oder Formationen aus der Natur, abfotografiert und anschließend transformiert/umgefärbt. Wie der umgefärbte Felsen rechts.


Hat man ein großes Bild gemeistert, muss man bedenken, dass die Vergrößerung in gewisser Hinsicht verfremdend wirkt und dass der Bildbetrachter eine unzutreffende, viel zu große Opulenz vermutet. Am besten betrachtet man mehrere Bilder unterschiedlicher Größe und gibt die Abmessungen exakt an.




3.3 Materialien

Durchsichtige Materialien wie die Diamantimitation Zirkonia lassen den Hintergrund durchscheinen. Reflektierende Materialien wie Edelstahl und Silber fangen die Umgebung auf. Der Anfänger sollte sich nicht wundern, wenn er eine Uhr vergrößert und sich selbst entdeckt. Gerade die „gefährlichen“ runden/konkaven Formen herrschen bei Uhren und Ringen vor. Manch ein Ring kann ein komplettes Zimmer in sich aufnehmen! In einem weißen Zifferblatt der Uhr sind fast keine Spiegelungen zu entdecken, während ein schwarzes Zifferblatt sich gegenteilig verhält. Viele Schmuckstücke bestehen aus unterschiedlichen Materialien oder unterschiedlich bearbeiteten Materialien, die sich im Licht unterschiedlich verhalten.

Ein Polfilter schafft nur selten Abhilfe, da er bei elektrisch leitenden Materialien wirkungslos ist.

Auch in der höchst anspruchvollen Reproduktionsfotografie der Gemälden, wo neben Farben auch Proportionen getreu wiedergegeben werden müssen, kann die Spiegelung des Objektivs nicht immer vermieden werden. Selbst wenn man mit einem Lichtzelt das gesamte Gemälde isoliert, muss eine Öffnung für das Objektiv vorhanden sein.

Kontrastreiche Partien sprengen den Dynamikumfang der Fotoapparate. Der Blitz bleibt angesichts seiner oft unvorhersehbaren Ergebnissen ausgeschaltet.

Das rechte Bild anzusehen ist eher unangenehm. Die Zeiger und die Ringe sind schwarz oder schwärzer als in Wirklichkeit, der Zeiger bei der 6 ist sogar ganz verschwunden. Das Weiß der Unterlage spiegelt sich im Zifferblatt und teilt es in einen helleren und einen dunkleren Teil. Im rechten Bild sind die Zeiger etc. wiederauferstanden.


Hier besteht ein Konflikt zwischen einer Darstellung, die (symmetrisch bzw. frontal) die geometrische Form korrekt wiedergibt und einer Darstellung, die störende oder kontrastreiche Reflexionen vermeidet und Farben korrekt wiedergibt.


Bei Perlmutt ändert sich das Aussehen bei geringer Variation des Lichteinfallswinkels. Die Fläche kann fast weiß erscheinen, und den richtigen Winkel muss man erwischen. Überdies ist Perlmutt an sich verwaschen, natürlich unscharf.


Spiegelnde Flächen machen vor nichts halt, auch nicht vor Unterlagen/Hintergründen/Hilfsobjekten, die man im Bild ja haben möchte. Im Bild links spiegelt sich die Unterlage innen im (gebürsteten) Ring und die schwarzen Punkte sind verschwommen. Sie helfen den Ring in zwei Ebenen gliedern, vorne wichtig und hinten unwichtig. Im Bild rechts gehen die Punkte auf den (polierten) Ring vorne über und machen ihn zusätzlich zur unglücklich gewählten Perspektive schmaler.


Die Reflexionsgeschichte treibt zuweilen bunte Blüten. Auf diesem Foto hat sich die rötliche Farbe des reflektierten Gegenstands nur auf bestimmten Zahnrädern niedergelassen, obwohl sie alle aus Edelstahl sind und silberfarben sein müssten. Man muss die Uhr schon direkt vors Gesicht halten, um Unterschiede in der Oberflächenbeschaffenheit einzelner Elemente zu erkennen, aber die farbliche Auswirkung ist groß.


Einfache Berührungen des Produktes können zu Einwirkungen führen, die als Ingebrauchnahme und damit Wertminderung zu klassifizieren sind. Fingerabdrücke können den Großteil des Objekts bedecken und zumindest das Bild unbrauchbar machen. Wenn man so ein Bild ins Internet stellt, sollte man keine Verbrecher-Laufbahn mehr einschlagen. Fett (von den Fingern) kann mit speziellen Handschuhen vermieden werden. Ist es dennoch zu Verschmutzungen gekommen, muss man weiche Pinseln oder weiche Tücher benutzen, am besten spezielle Gold- oder Silberreinigungstücher. Man muss auch solche Spitzfindigkeiten beachten, dass Silberschmuck mit weichen Edelsteinen und Korallen mit Silberreinigungslösungen nicht gereinigt werden darf. Selbstverständlich darf schmückendes Beiwerk keine rauhen Stellen aufweisen, die Kratzer verursachen.

Dieser ungewöhnliche Rohstoff (Kork) führte zu Fragen von Käufern, ob man denn weiß, was Kork ist, einschließlich Erklärung, was Kork ist und welche physikalischen Eigenschaften er aufweist (spröde, brüchig).




3.4 Schönheit

Natürlich sollte man versuchen, das Objekt so schön einzufangen, wie es ist. Ein neues besseres Bild kann aus einem Ladenhüter einen Kassenschlager machen und ein schlechtes Bild das Lager voll halten.


Man braucht allerdings viel Geduld, also Zeit. Klassische Schwierigkeiten sind die Stellungen der Uhrzeiger. Man möchte nicht eine schöne Uhr mit einem Bild verschlechtern, auf dem aus einer Vielzahl der möglichen Zeigerstellungen gerade die unvorteilhafte eingefroren wird.

Bewegt sich der Sekundenzeiger, muss die Verschlusszeit niedrig sein und man muss im wahrsten Sinne des Wortes den richtigen Zeitpunkt abwarten. Die Beleuchtung kann man nicht beliebig verstärken, weil helle Bereiche die Umgebung fressen. Bei einer Automatikuhr hat man die Bewegung des Sekundenzeigers selbst angestoßen, indem man sie bewegt hat (zum Fotografieren vorbereitet). Man wird kaum abwarten, bis der Zeiger wieder zum Stehen kommt.

Ein Sekundenzeiger kann sich ja auch in Bruchteilsekundenschritten bewegen ...

Durch Herausziehen der Krone kann man eine Uhr zum Stehen bringen, aber das funktioniert nicht immer. Bei dieser Uhr werden Sekunden unorthodox angezeigt. Will man kontrollieren, was auf dem Bild eingefangen wird, muss man sie zuerst studieren. Zuerst werden links fünf Sekunden abgezählt, dann in der Mitte. Ein Sektor rechts steht für zehn Sekunden. Gezählt wird sowohl beim Einblenden (Schwarzwerden) eines Sektors als auch beim Ausblenden (Verschwinden).


Manchmal werden Uhren so fotografiert, dass der Stundenzeiger mit dem Minutenzeiger ein Lächeln ergeben. Das ist der Fall, wenn ein Zeiger bei der 10 ist und der andere bei der 2. Das soll positiv wirken und zum Kauf verführen. Zeigen die Zeiger nach unten, wirken sie wie abgesenkte, traurige Mundwinkel. Folgt man der Logik, erzählt man wohl keine Wtze zu einer traurigen Uhrzeit. Soweit sollte man nicht gehen. Aber man muss natürlich vermeiden, dass ein Zeiger andere verdeckt, oder dass ein Zeiger die Datumanzeige oder eventuell das Herstellerlogo verdeckt. Auf der anderen Seite ergeben sich Schatten und Plastizität gerade dann, wenn ein Zeiger über anderen Elementen schwebt. Es kommt darauf an, eine pauschale Regel gibt es nicht.

Manchmal reicht ein Foto nicht aus, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die hervorstechende Eigenschaft zu lenken. Diese DUGENA-Uhr zeichnet sich durch eine spiralförmmige Bürstung des Gehäuses aus. Ratsam ist es auf jeden Fall, den Betrachter auf diese Eigenschaft mit Worten zu stoßen. Das Rauschen auf dem Zifferblatt existiert wirklich und ist kein Bildbearbeitungsartefakt.


Noch ein Wort zur Geduld. Bei diesem niedlichen Armband war jedes Sternchen/Blumchen einzeln verpackt (eingewickelt). Sofern der Fotograf keine Sekretärin beschäftigt, muss er sich auch dafür Zeit nehmen.


Abgesehen von den oben beschriebenen Phänomenen der Hirn-, Licht- und Blickwinkelabhängigkeit usw., kann es manchmal erforderlich sein, einen Farbton absichtlich zu übertreiben, damit er dem Betrachter überhaupt auffällt. Die nächste Uhr wies ein leicht cremefarbenes Zifferblatt auf und war obendrein auch mit ganz weißem Zifferblatt auf dem Markt.

Auch kann man absichtlich übertreiben, weil man Falschanzeige beim Betrachter befürchtet. Leicht bläuliche Motive gehen auf einem falsch eingestellten Monitor (etwa mit 9300 Kelvin) unter, auf dem sowieso alles zu blau ist, ebenso wie Partien mit geringer Helligkeit auf zu hell eingestellten Monitoren.

Ein anderes Thema sind die Kompressionsartefakte. Das rechte Bild wurde stark komprimiert, die Bildgröße auf über die Hälfte reduziert. Insbesondere Details/Konturen/Feinzeichnungen werden in Mitleidenschaft gezogen. Ein Merkmal wurde zum Verschwinden gebracht - Die Kreise in den kleinen Zifferblättern sind nicht mehr als solche zu erkennen und werden für Kompressionsartefakte gehalten!


Schön muss das Bild sein und komprimieren muss man. Es wäre schade, das Ergebnis im letzten Bearbeitungsschritt negativ zu beeinflussen. Wählt man aber eine höhere Kompressionsstufe (etwa bei GIF- oder JPEG-Bildern), erhöht man die Bildgröße und die Ladezeit.

Entschieden ist davon abzuraten, das Bild während der Erstellung mehrfach neuberechnen, schärfen und komprimieren zu lassen. Optimal ist das Fotografieren im Raw-Format, einmalige Umrechnung auf die Web-Auflösung, einmaliges Schärfen und einmaliges Komprimieren.

Tipp: Bei der Beurteilung der Schärfe oder der Wahl des Kompressionsgrades Details inspizieren, falls vorhanden Zeichen (Herstellernamen, Zahlen oder Buchstaben).

Schwer zu beantworten ist die Frage, wie viel Zeit man in die Bilder investiert und wann es vertretbar oder unumgänglich ist, auch schlechte/unschöne Bilder zuzulassen, siehe dazu Abschnitt vier "Planung/Sytematik/Taktik".




3.5 Bewegung

Einerseits will man Bewegung einfrieren, damit der sich bewegende Sekundenzeiger nicht das halbe Zifferblatt verschmiert. Andererseits will man Bewegung darstellen, eben sich bewegende Zahnräder oder das Funkeln von Edelsteinen. Dies ist freilich nur in einem Film/Video möglich, und manchmal ist das Einfangen der Schliffsymmetrie nur mit hohem Zeitaufwand und viel Geduld zu bewältigen.

Das Reflexionsverhalten, das Aussehen des Artikels bei Bewegungen und unter unterschiedlichen Lichtquellen, lassen sich über Bilder schwer bis gar nicht vermitteln. So viele Bilder kann man gar nicht schießen, wie viele Varianten es bei einem komplexen Schliff abzudecken gibt. Dieser Citrin-Stein ist natürlich absolut symmetrisch geschliffen, aber das Obketiv muss sich schon genau auf der Symmetrieachse befinden, sonst ist das Bild asymmetrisch, wenn auch geringfügig.




3.6 Algorithmen

Vereinfacht ausgedrückt entscheidet die Software (eines Fotoapparats) nach bestimmten Vorschriften, wie das Motiv zu behandeln ist. Diese Vorschriften basieren auf Tausenden von Bildern und liefern meist gute Ergebnisse. Algorithmen können auch zur Durchschnittlichkeit tendieren. Das heißt, ein schwarz-weißes Motiv wird etwas mehr gesättigt, einem überwiegend blauen Motiv wird eine wärmere Farbtemperatur verpasst. Oder ein vorherrschender Farbton wird wie ein zu eliminierender Farbstich behandelt. Auch können sich Unterschiede gemäß den Herstellerphilosophien in den Standardeinstellungen niederschlagen, wenn etwa vorausgesetzt sind, Laienfotografen hätten es an sich etwas gesättigter und knalliger gern.

Wenn die Vorschriften aufgrund von weiten homogenen und monochromen Flächen keine Anhaltspunkte für eine gute Entscheidung finden, versagen sie. Manchmal ist eine Nachbearbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm erforderlich. Will man alles unter seine Kontrolle bringen, bearbeitet man immer nach.




4. Planung/Systematik/Taktik

Den Zusammenhang zwischen der Firmenpolitik/Sortimentausrichtung und der Eigen- und Produktpräsentation kann man gar nicht überschätzen. Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte. Was umso wichtiger ist, weil Tausend Worte jeden Kaufinteressenten überfordern würden. Dieser Kaufinteressent muss sich nicht anhand von einem realen Produkt entscheiden, sondern anhand von Abbildungen davon. Man muss ihm auch solche Eigenschaften wie Gewicht und Abmessungen indirekt vermitteln, entsprechend müsste man die sanften Gewichtsverlagerungen oder das Nachgeben der Krone beim Aufziehen manch einer Automatikuhr fast schon in Gedichtform schildern. Bei der Planung seines Auftritts sollte man davon ausgehen, dass der Kaufinteressent sehr launisch ist, nur wenige Sekunden Zeit hat und sich zur Konkurrenz begibt, wenn man ihm nur einen geringen Anlass dazu bieten.

Gute Produktbilder können nicht nur eine Kaufentscheidung begünstigen, sondern auch zu einer geringeren Widerrufsquote und damit allseitiger Zufriedenheit beitragen. Überflüssige Versandkosten können den Vorteil des oft günstigeren Versandhandels sogar komplett wettmachen, sowohl für Verkäufer als auch für Käufer.

Keinem wird ein perfekter Internet-Auftritt auf Anhieb gelingen. Das liegt alleine schon daran, dass mit der Erfahrung viele Verbesserungen eintreten, erst die Notwendigkeit von Verbesserungen erkannt wird und auch die dazu notwendigen Fähigkeiten eine Weiterentwicklung erfahren haben. Aber man sollte AUF JEDEN FALL frühzeitig planen/ordnen/taktieren. Dies erspart später viel überflüssigen Aufwand und spart auch Geld. Spätere Änderungen der Systematik sind mit Nachteilen verbunden und rauben viel Zeit. Während der Umstellung leidet die Übersicht für den Verkäufer und unter Umständen für Käufer.

Diese wichtigen Fragen sollte man für sich beantworten:

1) Lege ich mich auf eine bestimmte Anzahl von Bildern fest?

2) Lege ich mich auf bestimmte Bildgrößen und Bildproportionen fest?

3) Lege ich mich auf bestimmte Perspektiven/Ansichten des Produktes fest?

4) Lege ich mich auf Einheitlichkeit oder partielle Einheitlichkeit fest, sodass zum Beispiel jedes erste Bild eines Produktes bestimmte Bildgröße und Bildproportion hat, oder zum Beispiel so dass jedes erste Bild eine Gesamtansicht bietet und weitere Bilder Detailansichten oder Vergrößerungen sind?

5) Gestalte ich alle Bilder gleich, damit Produkte untereinander leichter verglichen werden können oder setze ich auf Abwechslungsreichtum, um den Kaufinteressenten nicht zu langweilen? Sollen Produke gleicher Produktkategorie einander ähnlich aussehen oder Produkte gleicher Hersteller? Sollen billige Produkte genauso hochqualitative Bilder erhalten wie teure? Sollen arrivierte Hersteller hochpreisiger Artikel genauso behandelt werden wie Newcomer mit Startschwierigkeiten und niederpreisigen risikominimierenden Startprodukten?

6) Füge ich Firmennamen/Firmenlogo/Wasserzeichen/Copyright-Hinweis/Widererkennungselemente hinzu?

7) Soll ich überhaupt gute Bilder erstellen?


Planung/Systematik/Taktik sollte man aus eigener Sicht und aus der Sicht des Kunden/Kaufinteressenten durchdenken (auch alle Abwicklungs- und sogar einzelne Mausklicks).

Man kann natürlich seine Fotos nach Zufallsprinzip schießen oder je nach Motiv anders gestalten. Dagegen ist viel einzuwenden. Unabänderliche oder derzeit geltende Restriktionen schieben der Zufälligkeit einen Riegel vor. Die gängige Web-Auflösung beträgt derzeit 1024x768 Punkte, und man würde seine Bilder nicht so groß erstellen, dass man hin und her scrollen muss, um alle Bildteile zu sehen. Wenn man in den Shop-Einstellungen die Bildgröße in Pixeln angeben muss, werden nur Bilder mit passender Pixelanzahl nicht angetastet. Alle anderen werden rekodiert/umkomprimmiert, und das sieht garantiert furchtbar aus. Man muss sich entscheiden, wie viele Miniaturansichten (Thumbnails) unterschiedlicher Größe in unterschiedlichen Bereichen des Shops rumgeistern, in Kategorieansichten und in Detailansichten zum Beispiel. Wenn dann auch noch auf der Produktseite das Produkt in variierenden Größen dargestellt wird, kann es zuviel werden.

Ein anderer Grund gegen das Zufallsprinzip: Viele Einstellungen (sowohl im Studio als auch im Fotoapparat als auch in der Software) können einmal sorgfältig erstellt und immer wieder rekonstruiert oder abgerufen werden. Dadurch können enorme Erleichterung und Vergleichbarkeit/Farbvergleichbarkeit/Farbverbindlichkeit erreicht werden. Ein System hilft, erreichte Fortschritte in den Arbeitsprozess zu integrieren und damit zu bewahren.

Gegen Zufälligkeiten ist entschieden einzuwenden, dass eine jede Ordnung solide und seriös wirkt.

Sobald eine Systematik besteht, kann auch etwas aus dem Rahmen fallen. Bei manch einem Produkt sagt ein Bild alles aus, bei anderem geht es nicht ohne zusätzliche Bilder. Eine im Allgemeinen professionell wirkende Einheitlichkeit der Perspektiven/Ansichten funktioniert nicht immer, denn ein Gegenstand kann aus der als einheitlich gewählten Perspektive einfach schrecklich aussehen, und dass das irgendwann vorkommt, kann man nicht vermeiden! Hat man sich auf drei Bilder festgelegt, aber ein Bild alles sagt, sind die anderen beiden Bilder redundant. Variiert die Anzahl der Bilder ständig, ist zu befürchten, dass der Kaufinteressent sich fragt, ob denn dieser eine Artikel in Wirklichkeit weniger wertvoll oder weniger zu bieten hat. Ist ein Produkt mit vielen Bildern ein Ladenhüter und soll besonders schmackhaft gemacht werden? Oder ist es das Flaggschiff des Sortiments? Schneidet man ins eigene Fleisch, wenn man billige Produkte so toll präsentiert, dass der Wert-Abstand zu teuren Produkten verringert wird? Provoziert man nicht spätere Unzufriedenheit mit einem schön präsentierten Billigprodukt? Man muss berücksichtigen, dass der Kaufinteressent ein Vorwissen mitbringt, wie beste Produkte in Hochglanzprospekten dargestellt werden.

Auch die Überlegung, wie viel von Hintergründen/Beiwerk sichtbar sein soll, und auch das Verhältnis zwischen Produktgröße (im Bild) und Bildgröße ist nicht trivial. Viele Edelstahl- oder Silberringe sind im Grunde genommen grau und ohne ein gewisses Maß an Strukturen oder Farbverläufe wenig verführerisch. Auch können mitfotografierte Objekte die Form des Produktes modellieren helfen. Schnell prägen sich mitfotografierte Objekte so gut ein, dass anhand von ihnen Weißpunktabgleich/Farbbalance leicht eingestellt werden kann. Muss ein Bild etwas heller oder dunkler sein als andere, fangen die Hintergründe Helligkeitsunterschiede besser auf als das reine Weiß, das zum schmutzigen Grau werden kann.

Vorlagen/Unterlagen/Hintergründe und sonstige mitfotografierte Objekte dürfen nicht zu auffallend sein. Das Interesse gilt ja nicht ihnen, sondern den Produkten. (Das gilt auch für die visuelle Gestaltung des Online Shops oder speziell der Produktseite.) Sind sie es dennoch, läuft man Gefahr, dass ihre Eigenschaften in einen Konflikt mit den Produkteigenschaften geraten. Starke Farben der Hintergründe oder schmückender Beiwerke ergeben mit dazu unpassenden Farben des Produktes ein zerfahrenes Gesamtbild. Verhalten sich die Farben der Hintergründe oder des schmückendes Beiwerks komplementär zu den Fabren des Produktes (Zifferblatt- oder Edelsteinfarbe), ergibt sich ein ausgewogenes, schönes Bild. Eine feste Systematik kann Produkte ungleich behandeln. Man sollte sich fragen, inwiefern man solche Gesichtspunkte in die Darstellung seines Sortiments miteinfließen lassen möchte und inwiefern zusätzliche Unterscheidungskriterien sich lohnenden Aufwand mit sich bringen.

Aus der Sicht des Kunden sind auffallende mitfotografierte Objekte schnell nervig, sei es nur weil sie sich oft wiederholen. Durchdachte Präsentation deutet darauf hin, dass der Verkäufer erfahren ist, damit "im Geschäft" und vertrauenswürdig. Die Beratung und die Belieferung müssten auch gut sein, schlussfolgert der Kaufinteressent. Auch nächsten Monat kann man Gewährleistung beanspruchen ... Gute Bilder deuten darauf hin, dass der Verkäufer nicht nur wenige Exemplare des Artikels besitzt, sonst würde er keine Zeit (oder Geld) in die Bilderstellung investieren. Das bedeutet, dass ein Artikel mit Mangel sofort ausgetauscht werden kann. Mehrere Exemplare bedeuten ein bestimmtes Maß an investiertem Kapital, damit Sicherheit für den Kunden und wiederum volle Gewährleistungsfrist. Durchdachte und aufwändige Präsentation lassen auch zur Schlussfolgerung verleiten, dass die Preise wohlüberlegt sind, dass der Verkäufer sie nicht von einem Tag auf den anderen senkt, sodass man jetzt nicht kaufen muss sondern genauso morgen oder gar nicht oder sich betrogen fühlt. Es gibt Anbieter, die in jedes Bild ihren Firmennamen oder ihr Firmenlogo aufnehmen. Das Gehirn blendet die Logos bald einfach aus, ihre beabsichtigte Wirkung wird geringer und der Platz wäre für den Artikel besser genutzt. Hat so ein Logo die Aufmerksamkeit des Kunden auf den Anbieter gelenkt und er sich fragt, was das denn für einer ist, so kann der Schuss nach hinten losgehen, wenn es in Wirklichkeit um einen kleinen Anbieter handelt, von deren Bedeutung es im Internet Hunderte gibt. Auch mit Wasserzeichen oder Copyright-Hinweisen kann man übertreiben. Mitten im Bild wirken sie eher belustigend denn seriös. Man möche das Produkt sehen, und so ein Schriftzug stört fast die optische Achse. Der Betrachter denkt eher, dass das Erstellen dieser Bilder dem Verkäufer so viel Mühe bereitet, dass er eine irrationale übertriebene Angst entwickelt, jemand könnte davon profitieren. Ganz schlimm ist es, wenn ein schlechtes Bild mit einem Firmenlogo oder einem Copyright-Hinweis versehen wird, bei dem keiner auf die Idee gekommen wäre, es zu klauen. Auch Anpreisungen der Produktschönheit sind nicht gerade glaubhaft, wenn im Layout augenschmerzende Kontraste und kitschig-grelle Farben verwendet werden. Man sollte als Verkäufer nicht den Schluss zulassen, dass man die Güte oder Schlechtigkeit seiner eigenen Bilder nicht einschätzen kann. Ein vernichtendes Urteil könnte lauten: "Das Bild ist so schlecht, dass das große Wasserzeichen es nicht versauen kann", und es lässt die Umsätze nicht gerade steigen. Und wenn jemand ein Bild klaut, na und? Auch ohne Wasserzeichen und Warnhinweise sind Bilder urheberrechtlich geschützt, der Bilderklau bleibt riskant. Ähnlich verhält es sich mit irgendwelchen Streifen, Linien oder sonstigen Formen, die kein Logo sind und die Wiedererkennung des Anbieters fördern sollen. Sind sie auffällig, stören sie das Produktbild. Sie müssen aber auffällig sein, sonst erfüllen sie ihren Zweck nicht. Ein eigener Stil und/oder eine Systematik sind für die Wiedererkennbarkeit viel besser geeignet!

Man muss gar keine Hintergründe/Beiwerke verwenden, wenn man die Produkte freistellt und danach sogar digitale Hintergründe einblendet. (Das ist eine Lösung, aber keine Erlösung: Hierbei wäre besonders darauf zu achten, dass im Produkt selbst sich nicht etwas spiegelt, was nach dem Freistellen nicht mehr da ist. Das würde den Eindruck von Künstlichkeit erwecken und/oder verwirren.) Man kann auch den Hintergrund so gut ausleuchten, dass er ganz weiß und wie freigestellt ist. Auch sind Beleuchgungseffekte mit Farbverläufen ein gangbarer Weg. Der Aufwand ist relativ gering, wenn man sehr teure Produkte verkauft. Ist bei einem Luxusprodukt ein Gewinn von einigen Hundert Euro zu erwarten, sind 10 Minuten mehr Bildbearbeitung oder weniger nicht von Belang. Auch ist der Aufwand relativ gering, wenn dasselbe Produkt hundertfach auf Lager liegt und dieselben Bilder somit immer wieder und wieder gewinnbringend eingesetzt werden. Natürlich wird man Produkte alles andere als stiefmütterlich behandeln, die man exklusiv vertreibt oder die das Rückgrat des Unternehmens darstellen. Somit dringt die Produktfotografie in wichtige Bereiche wie Einkaufspolitik, Liquidität und Marktmacht ein.

Man muss gar keine guten Bilder schießen. Ausgehend von seiner Kompetenz und oft ohne sich dessen bewusst zu sein setzt der Fotograf beim Bildbetrachter ein ähnlich hohes Niveau an Kompetenz voraus. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass alle oder die meisten Personen gut im räumlichen Denken, im Formendazudenken, im Wahrnehmen von Farbtönen, Ergötzen an Farbkompositionen und Beurteilen von Designbesonderheiten sind. Das Quentchen Besser an "gutem Bild" geht bei einem Großteil der Betrachter im Unvermögen unter, dieses Quentchen zu erfassen. Man würde nicht unbedingt höheren Aufwand in der Hoffnung auf unbewusste Wirkung tätigen. Viele der schlechten Produktbilder im Internet sind wohlüberlegt so, wie sie sind. Und wenn ein Bild nicht optimal gerät, erübrigt es sich von selbst, wenn das Produkt ausverkauft ist. Ziel ist es ja, Ware abzusetzen und Gewinn zu erwirtschaften, nicht Fotografen-Wettbewerbe zu gewinnen. Man kann sich ein Niveau mit Beachtung aller möglichen Feinheiten und Systematiken setzen, dass man bald nicht mehr zu halten gewillt ist. Misst ein Einzelunternehmer zum Beispiel den Produktbildern einen hohen Stellenwert bei und ist das Fotografieren mühselig oder dauert es zu lang, liebäugelt er unbewusst mit größeren Einkaufsmengen desselben Produktes, was riskant sein kann und sich zuungunsten der Angebotsvielfalt auswirkt. Oder er braucht zu lange für die Einarbeitung neuer Produkte und wertvolle Tage gehen verloren. (Genauso kann Zeit verloren gehen, wenn ein professioneller Fotograf eingesetzt wird.) Oder bestimmte Produkte geraten schöner als andere, nur weil der Fotograf mit ihnen irgendwelche positiven Emotionen (günstig eingekauft, persönlicher Favorit, Ähnliches mal von der Liebsten geschenkt bekommen, Kindheitserinnerungen) verbindet - Das Fotografieren ist eine kreative Tätigkeit und gerät leicht unter Einfluss der Inspiration. Durchweg schöne Bilder können auch dazu führen, dass der Kaufinteressent denkt: "Bei dem sind nur Bilder schöner, die Ware selbst ist wie bei allen anderen." Es kann auch sein, dass gute Bilder sich negativ auf den eigenen Verkaufserfolg auswirken. Auf Auktionsplattformen, siehe eBay, sind gleiche Produkte in einem Portal, in einem Suchsystem und zuweilen nebeneinander platziert und sichtbar, und da sehen sich die Leute die schönen oder aussagekräftigen Bilder eines Anbieters an und kaufen das günstigere Angebot bei einem anderen Anbieter. Im Endeffekt hat einer sich Arbeit/Zeit/Geld gespart und profitiert von der Inverstition des anderen, ohne seine Bilder geklaut zu haben. Ähnlich können sich Suchmaschinen oder Preisvergleichsportale auswirken, natürlich auch Hersteller-Websites, die meist die besten Produktbilder und Produktbeschreibungen bieten. Oft helfen schönere Bilder nur dann sich von der Konkurrenz abzusetzen, wenn man der alleinige Anbieter des betreffenden Produkts ist. Und wieder ist die Produktfotografie von Marktgegebenheiten, Verkaufsstrategien etc. nicht zu trennen ... Sich einmal Fotos erstellen zu lassen und sie dann längere Zeit zu benutzen, ist für viele Händler ein Wunschbild. Mag sein, dass in bestimmten Situationen das komplette Sotiment durchfotografiert und die Fotos und zur Freistellung nach China gemailt werden können. Meist wird man jedoch flexibel reagieren müssen, sei es weil Produktgenerationen sich schnell abwechseln, Produkte in bestimmten Intervallen eingekauft werden oder erhältlich sind oder weil ein Bild sich im Nachhinein als verkaufshemmend erweist.

Jeder muss für sich entscheiden, welcher Auftritt seinen Möglichkeiten und seinen Zielsetzungen entspricht. Je nach Branche (also Art der Produkte), verfügbarem Kapital, Preislage der Produkte, der Verkaufsplattform usw. sind unterschiedliche Taktiken möglich. Wenige werden sich einen professionellen Fotografen leisten können, also geht es nicht ohne Abstriche und Kompromisse. Man muss sie so meistern, dass immerhin Könige zufrieden sind.

Noch ein sehr wichtiger Grund für den Anfänger oder Einzelunternehmer, der für die Fotografie spricht: In der Schnelllebigkeit des Handels ist sie der einzige Zwang, sich mit den Produkten näher auseinanderzusetzen, sie zu inspizieren, ihre Vorzüge zu entdecken. Sonst schiebt man wirklich nur Kisten. Technische Daten stehen im Handbuch, aber nicht die ästhetischen Vorzüge, nicht die Design-Besonderheiten. Wer sie erkennt und angibt, hat einen Vorteil gegenüber dem faulen Mitbewerber. Einen Vorteil, der nichts gekostet hat und der sogar unmittelbar beim Einkauf beim Großhändler entstehen kann.

Gerechterweise muss man abschließend sagen, dass in vielen leibhaftigen Läden die Beleuchtung hypnotisch-kaufstimmungsschaffend und nicht auf visuelle Begutachtbarkeit bedacht ist, auch noch im Kaufpreis enthalten, sodass man getrost online einkaufen kann.




Hier eine Sammlung von gelungenen Produktbildern.

Hier eine Sammlung von misslingenen Produktbildern.




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(Bitte beachten Sie die Urheberrechtschaft des Autors an Bildern/Grafiken/Fotos/Text. Zuletzt aktualisiert am 12.12.06)